Louis Malle (Frankreich, 1975)
Ein Film, der sich konsequent seinem Zuschauer verweigert. Von einer dicken Mauer umschlossen, schmollt er, wird launisch, trägt seine Nase hoch, lässt nichts rein und nicht raus. Und ärgert einen. Von vorne bis hinten.
Das Mädel, das durch diesen labyrinthischen Nonsens herumirrt, ist natürlich eine Alice-Figur. Sie flüchtet von der Realität (einem Bürgerkrieg) in ein abgelegenes Anwesen (eine Phantasiewelt), doch hier stellen sich neue Probleme und Hindernisse in den Weg; hier gibt es sprechende Blumen, die sich beklagen wenn man sie zertritt, nackte Kinder, mit einem Schwein im Garten, eine alte bettlägerige Frau, die in einer unbekannten Sprache mit einer Ratte redet und mit der Brust gestillt werden muss, und das Pony-Einhorn im Garten; immer auf der Flucht und nie wirklich zu erreichen, wie das Alice-Kaninchen. Man mag sich verbarrikadieren, sich in die hinterste Ecke einer tiefen Höhle zurückziehen, doch die Realität holt einen immer ein. Oder so ähnlich.
Die Bilder zu diesem süßlichen Wirrwarr lieferte übrigens Sven Nykvist, Bergmans Haus-Kameramann, der Mann mit dem ewig richtigen Blick, der immer weiß, wo er seinen Apparat aufstellen soll. Mit Bergman hat das ganze jedoch wenig zu tun. Wenn überhaupt, dann gibt es eine inhaltliche Ähnlichkeit im Anfangsteil: In Bergmans „Schande“ gab es auch eine Flucht vor einer rätselhaften, militärischen Oberhand, die eines Tages die eigene Heimat besetzte. Bloß dient das bei Malle lediglich als Auslöser, um die Protagonistin in diese „andere“ Welt zu schicken.
Malles Film ist vielleicht wirklich ein Märchen. Dann aber eins dessen einzelne Worte man zu unzähligen Schnipseln zerschneidet, durchgemischt und wieder zusammengefügt hat.
Das Mädel, das durch diesen labyrinthischen Nonsens herumirrt, ist natürlich eine Alice-Figur. Sie flüchtet von der Realität (einem Bürgerkrieg) in ein abgelegenes Anwesen (eine Phantasiewelt), doch hier stellen sich neue Probleme und Hindernisse in den Weg; hier gibt es sprechende Blumen, die sich beklagen wenn man sie zertritt, nackte Kinder, mit einem Schwein im Garten, eine alte bettlägerige Frau, die in einer unbekannten Sprache mit einer Ratte redet und mit der Brust gestillt werden muss, und das Pony-Einhorn im Garten; immer auf der Flucht und nie wirklich zu erreichen, wie das Alice-Kaninchen. Man mag sich verbarrikadieren, sich in die hinterste Ecke einer tiefen Höhle zurückziehen, doch die Realität holt einen immer ein. Oder so ähnlich.
Die Bilder zu diesem süßlichen Wirrwarr lieferte übrigens Sven Nykvist, Bergmans Haus-Kameramann, der Mann mit dem ewig richtigen Blick, der immer weiß, wo er seinen Apparat aufstellen soll. Mit Bergman hat das ganze jedoch wenig zu tun. Wenn überhaupt, dann gibt es eine inhaltliche Ähnlichkeit im Anfangsteil: In Bergmans „Schande“ gab es auch eine Flucht vor einer rätselhaften, militärischen Oberhand, die eines Tages die eigene Heimat besetzte. Bloß dient das bei Malle lediglich als Auslöser, um die Protagonistin in diese „andere“ Welt zu schicken.
Malles Film ist vielleicht wirklich ein Märchen. Dann aber eins dessen einzelne Worte man zu unzähligen Schnipseln zerschneidet, durchgemischt und wieder zusammengefügt hat.
Wieder einer dieser Filme, dessen jede Kameraeinstellung man sich am liebsten einrahmen und über's Bett hängen würde. Denn was gibt es schöneres, als ein schwarzweißer 16:9-Film mit solch brutal schönen Helldunkel-Kontrasten und einem solchen Graustufen-Paradies; wie ein perfekter Blumenstrauß, aber in S/W. Und wenn Moreau dann hinausgeht, in den Garten, in die Landschaft.. und man am Horizont ganz zart diese nebligen Wälder sieht, die vielen Tiefenebenen, dann das Haus, davor die Menschen: ja, da würde man gerne alle Farbfilme für alle Ewigkeit zum Teufel jagen. Die Größe von dem Film liegt vielleicht auch darin, dass trotz der Bedrohung, die ständig in der Luft liegt, es Bunuel dennoch geschafft hat, das ganze in so eine Idylle zu verwandeln: das Haus auf dem Lande, ein Mädchen das im Wald Schnecken sammelt (meine Lieblingsszene!), die neue Kammerzofe, die neugierig dieses neue Leben mit den neuen Menschen beobachtet. Auf den ersten Blick denkt man überhaupt nicht an einen Film, der auch politische Dinge aufgreift, sondern an eine gemütliche, liebevolle Geschichte von nebenan.
Sobald im allerersten Bild der mächtige Berg mit J. Greenwoods meisterhafter Musik visuell aufheult, weiß man dass in diesem Film nichts mehr schief gehen wird und dass man in völliger Sicherheit gewogen ist. Direkt danach folgt die wohl narrativ beste Anfangssequenz seit ewig langer Zeit. Ein völliger Verlass auf die Kraft der Bilder; ganz ohne Worte. Es kann sich problemlos aneinanderreihen an den Anfang von Leones „Spiel mir das Lied...“ oder Wells’ „Kane“. Ein Kino, für das man ewig dankbar ist. Eine Bestätigung, dass selbst nach der Zeit von „New Hollywood“ immer noch wahre Monster aus Hollywood auf uns Zuschauer losgelassen werden können. Das erzählerische Gerüst ist hier flüssig und heißt Öl. Ein schwarzer Fluss, an dessen Oberfläche verschiedene Themen und Dramen nach Luft schnappen... Habgier, Erfolg, Macht, Glaube, Lüge, Ausbeutung, falsche Brüder, verlorene Söhne und Väter... Ein großer Film. Ein sehr großer Film. Dunkel und majestätisch, wie ein zu spät aufblühendes Gemälde der romantischen Epoche. Oder wie es der Film selbst zeigt: Wie eine Wachteljagd bei grauem Himmel.
Da kommt Andrzej Wajdas Film, den Hügel hinuntergaloppierend, mit Bildern von solcher Wucht wie nur selten davor und danach; macht alles dem Erdboden gleich; attackiert den Zuschauer von allen Seiten... lässt eine Axt schwingen und zerschlägt alles was ihm im Wege steht. Dieser Film wurde nicht mit Kameras gedreht, sondern mit echten Kriegskanonen; Wajda bombardiert seine Schauspieler gnadenlos, so tun sie was er will, in Höchstqualität. Sie lieben, sie töten, sie vergewaltigen, versuchen zu überleben, kämpfen sich ihren Lebensweg hoch, werden Helden, sterben wie Hunde. Das bemerkenswerte: es ist ein Wajda-Film und doch wie ein guter Cotail verschiedener Einflüsse: die Energie, Wildheit und Authentizität eines Kurosawa, das perfekte Gespür für Traumsequenzen eines Bergman, der Ansatz für den Inszenierungswahnsinn von Kriegsszenen eines Bondarchuk, die Poesie der Charaktere italienischer Meister und natürlich alles das von einem Polen gut geschüttelt: das Düstere, das Mystische der Landschaften und seiner Leute, das entschlossene Handeln, trotz des permanenten Hintergedankens an eine Ausweglosigkeit. Mitten drin Daniel Olbrychski; der polnische Brando, DeNiro in einem; hier auch ein wenig an den jungen Depardieu aus „1900“ erinnernd. Und Wajda riskiert viel; er lässt ein lebendes Pferd ohne Tricks eine hohe Klippe herunterfallen. Er jagt hunderte von armen Teufeln durch Wälder, Sümpfe, Felsen und brennende Ruinen; die Kamera immer als unmittelbarer Begleiter. Dieser Film wirkt wie der einzige echte Reportage über Napoleons Zeit. Kein Film,... ein ganz fieser Trick, über den man sich den Kopf zerbricht. 


Kann es etwas schöneres geben als die Erinnerung an „La Dolce Vita“ auferleben zu lassen, dazu Anita Ekberg einen Besuch abzustatten, die inzwischen die Ausstrahlung einer in die Jahre gekommenen Atombombe hat? „Sie sieht umwerfend aus, wie ein Gladiator.“ Wie Mastroianni selbst bemerkt. Dann die durch einen Zauber geschaffene Leinwand aus einem Lacken und die darauf projizierten, klassischen Dolce Vita-Szenen; unter diesen Verhältnissen noch effektiver als das Original. 
Tornatore möchte jedes Mal ein Fellini sein, weiß aber anscheinend nicht, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist. Träumen kann er weiterhin davon, denn gerade diese Wunschvorstellung, das Fellineske zu erstreben, zeichnet seinen Film aus.